Die Incoterms 2020 einfach erklärt: Alle 11 Klauseln im Überblick (2026)

Im internationalen Handel sind eindeutige Regeln und Standards unverzichtbar. Genau hier setzen die Incoterms an: standardisierte Begriffe, die Verantwortlichkeiten, Vorschriften und Risiken bei internationalen Handelsgeschäften klar regeln.
In diesem Artikel erklären wir dir leicht verständlich, was Incoterms sind. Du erhältst eine umfassende Übersicht aller Begriffe, ihre Bedeutungen und die Vorteile, die sie mit sich bringen. Mit praktischen Beispielen zeigen wir dir außerdem, welche Incoterms am besten zu deinem Geschäft passen. Lass uns starten!
Was sind Incoterms 2020 aktuell? Ihre Bedeutung einfach erklärt:
Incoterms, eine Abkürzung für "International Commercial Terms", auf Deutsch “Internationale Handelsbedingungen”, sind weltweit anerkannte Regeln, die Verpflichtungen von Käufern und Verkäufern im internationalen Warenhandel definieren. Mit ihnen wird geklärt, wer für was verantwortlich ist. Vor allem für:
- Zeitpunkt und Ort der Lieferung,
- Risiken und Versicherungen,
- Kosten und
- Zollabfertigung.
Die Incoterms wurden 1936 von der Internationalen Handelskammer (ICC) eingeführt und sind seitdem ein wesentlicher Bestandteil des internationalen Handels. Die genauen Regeln werden meist alle 10 Jahre aktualisiert und sind von Importeuren, Exporteuren, Spediteuren und Frachtführern weltweit anerkannt.
Laut der deutschen ICC, bieten die Incoterms “… einen global gültigen Standard für die Lieferbedingungen bei internationalen Geschäften.”
- Aktuell gelten die Incoterms 2020. Sie sind seit dem 1. Januar 2020 in Kraft und bleiben gültig, bis eine neue Fassung erscheint. Die Internationale Handelskammer (ICC) arbeitet bereits an den Incoterms 2030, die Veröffentlichung ist für Ende 2029 geplant.
- Wichtig: Ältere Fassungen wie die Incoterms 2010 kannst du weiterhin vereinbaren, wenn du sie im Vertrag ausdrücklich nennst, zum Beispiel „FCA Hamburg, Incoterms 2010“.
- Laut ICC sind die Incoterms heute der weltweit anerkannte Standard für internationale Kaufverträge.
Wichtig für dich: Eine neue Fassung ersetzt die alte nicht automatisch. Welche Version gilt, entscheidest du im Vertrag. Schreib deshalb immer die Jahreszahl dazu, zum Beispiel „DAP Wien, Incoterms 2020“.
Im Grunde regeln und vereinfachen Incoterms gängige Fragen wie:
- Wann geht die Ware vom Verkäufer auf den Käufer über?
- Wer trägt welche Transportkosten?
- Wer und ab wann übernimmt eine Partei die Haftung für Verlust und Beschädigung der Ware, sowie die Versicherungskosten?
Incoterms: Schnellübersicht
Eine kompakte Übersicht der Incoterms. Weiter unten findest du mehr Infos und Beispiele!
| Klausel | Gültig für | Besonderheit |
|---|---|---|
| EXW | Alle Transporte | Minimalverpflichtung für den Verkäufer |
| FCA | Alle Transporte | Käufer benennt den Frachtführer |
| CPT | Alle Transporte | Verkäufer zahlt Fracht, Risikoübergang früh |
| CIP | Alle Transporte | Wie CPT, aber mit umfassender Versicherung |
| DAP | Alle Transporte | Lieferung am Ort, ohne Entladung |
| DPU | Alle Transporte | Lieferung inkl. Entladung |
| DDP | Alle Transporte | Verkäufer übernimmt alles inkl. Zoll |
| FAS | Nur See- und Binnenschiff | Lieferung längsseits Schiff |
| FOB | Nur See- und Binnenschiff | Lieferung auf das Schiff |
| CFR | Nur See- und Binnenschiff | Verkäufer zahlt Fracht, Risiko beim Verladen |
| CIF | Nur See- und Binnenschiff | Wie CFR, aber mit Mindestversicherung |
Einteilung und Gruppen von Incoterms
Es gibt 4 Gruppen von Incoterms:
- E-Klausel EXW (Ex Works), auch "Abholklausel" genannt:
EXW ist die richtige Wahl, wenn der Käufer alle Kosten und Risiken des Transports ab dem Werk des Verkäufers übernehmen soll. Der Käufer zahlt ab diesem Punkt alles, und die Verantwortung geht auf ihn über, sobald die Ware beim Verkäufer abholbereit ist.
- F-Klauseln, auch “Absendeklausel ohne Kostenübernahme des Verkäufers”:
F-Klauseln sind dafür gut, wenn der Käufer nur die Kosten und Risiken des Haupttransports übernehmen möchte. "Frei" bedeutet hier, dass der Käufer ab einem bestimmten Punkt für die Kosten aufkommt, während der Verkäufer bis zu diesem Punkt das Risiko und die Kosten trägt.
- C-Klauseln, auch “Absendeklausel mit Kostenübernahme des Verkäufers”:
C-Incoterms werden meistens gewählt, wenn der Verkäufer die Transportkosten bis zum Zielort übernimmt. Der Verkäufer zahlt für den Transport bis zu einem bestimmten Ort, aber das Risiko geht auf den Käufer über, sobald die Ware an den ersten Frachtführer übergeben wird.
- D-Klauseln, auch “Ankunftsklausel” genannt:
Diese sind dann sinnvoll, wenn der Verkäufer die Transportkosten bis zum Zielort trägt. Die Verantwortung und das Risiko gehen auf den Käufer über, sobald die Ware am Zielort angekommen und bereitgestellt ist.
Übersicht und Liste aller Incoterms, inkl. Definition und praktischen Beispielen
Folgende Regeln und Incoterms gelten grundsätzlich für alle Transportmittel:
- Straßentransport & Schienentransport
- Luftfracht
Seefracht (nicht ausschließlich auf Schiff beschränkt!) & Binnenschifffahrt
und für Kombinierte Transporte (= “Multimodaltransporte”)
Die Incoterms:
EXW (Ex Works)
Der Verkäufer stellt die Ware auf seinem Gelände oder einem anderen benannten Ort (z.B. Werk, Fabrik, Lager) zur Verfügung. Der Käufer trägt ab diesem Punkt alle Kosten und Risiken.
Beispiel: Ein deutscher Maschinenbauer verkauft eine Maschine an ein Unternehmen in Japan. Die Maschine wird im Werk des Verkäufers in München bereitgestellt. Der japanische Käufer muss die Maschine abholen und für den Transport bis zu seinem Standort sorgen, einschließlich aller Transport-, Versicherungs- und Zollkosten.
FCA (Free Carrier)
Der Verkäufer liefert die Ware an einen vom Käufer benannten Frachtführer oder an einen anderen benannten Ort. Der Verkäufer ist verantwortlich für die Zollabfertigung der Ware zur Ausfuhr.
Beispiel: Ein französischer Weinproduzent liefert Wein an einen US-amerikanischen Händler. Der Wein wird an einen vom Händler benannten Spediteur in Bordeaux übergeben. Der Weinproduzent übernimmt die Kosten und Risiken bis zur Übergabe an den Spediteur, der Rest liegt in der Verantwortung des Händlers.
CPT (Carriage Paid To)
Der Verkäufer zahlt die Frachtkosten bis zum benannten Bestimmungsort. Das Risiko geht jedoch auf den Käufer über, sobald die Ware dem ersten Frachtführer übergeben wurde.
Beispiel: Ein Elektronikhersteller in China verkauft Tablets an einen Händler in Australien. Der Hersteller bezahlt die Transportkosten bis zum Hafen in Sydney. Das Risiko für Verlust oder Beschädigung der Ware geht jedoch bereits im Hafen von Shanghai auf den Käufer über.
CIP (Carriage and Insurance Paid To)
Wie bei CPT trägt der Verkäufer die Frachtkosten bis zum Bestimmungsort, die Gefahr geht aber bereits bei Übergabe an den ersten Frachtführer auf den Käufer über. Zusätzlich muss der Verkäufer eine Transportversicherung abschließen, und zwar mit umfassender Deckung nach den Institute Cargo Clauses (A). Das ist der wichtigste Unterschied zu CIF: Dort reicht die Mindestdeckung nach Clauses (C).
Beispiel: Ein Möbelhersteller in Italien verkauft eine Lieferung von Stühlen an einen Kunden in Kanada. Der Hersteller bezahlt die Fracht- und Versicherungskosten bis zum Bestimmungsort in Toronto. Das Risiko geht auf den Käufer über, sobald die Ware dem ersten Frachtführer übergeben wurde, aber der Verkäufer schließt eine umfassende Transportversicherung nach Clauses (A) ab, die nahezu alle Schäden auf dem Weg nach Toronto abdeckt.
DAP (Delivered at Place)
Der Verkäufer liefert die Ware an einen benannten Ort, ohne Entladung. Der Verkäufer trägt alle Kosten und Risiken bis zu diesem Punkt.
Beispiel: Ein Maschinenbauunternehmen in Deutschland verkauft eine Anlage an einen Kunden in Brasilien. Die Anlage wird bis zum Werk des Kunden in São Paulo geliefert. Der deutsche Verkäufer übernimmt alle Transportkosten und Risiken bis zur Ankunft der Anlage im Werk des brasilianischen Kunden.
DPU (Delivered at Place Unloaded)
Der Verkäufer übernimmt die Kosten und Risiken bis zur Entladung am benannten Ort. Dies ist die einzige Klausel, bei der der Verkäufer auch für die Entladung verantwortlich ist.
Beispiel: Ein spanischer Möbelhersteller liefert eine große Bestellung an einen Möbelhändler in London. Die Ware wird bis zum Lager des Händlers in London transportiert und entladen. Der spanische Hersteller trägt alle Kosten und Risiken bis zur Entladung der Ware im Lager des Händlers.
DDP (Delivered Duty Paid)
Der Verkäufer trägt alle Kosten und Risiken bis zur Lieferung am benannten Ort inklusive Zollabfertigung. Der Käufer muss nur noch die Ware annehmen. Für Onlinehändler, die Waren aus Drittländern in die EU liefern, ist DDP seit Mitte 2026 noch wichtiger geworden. Seit dem 1. Juli 2026 gilt die bisherige Zollbefreiung für Sendungen bis 150€ nicht mehr! Stattdessen fällt ein pauschaler Zoll von 3€ pro Zolltarifposition an. (Bsp.: Drei Blusen aus zwei Materialien in einem Paket kosten also 6€.) Bei DDP trägt diese Kosten der Verkäufer, bei DAP der Käufer, also im Zweifel dein Endkunde. Die Regel gilt vorerst nur für Sendungen, die über IOSS angemeldet werden.
Beispiel: Ein Elektronikhersteller in Südkorea verkauft Fernseher an einen Händler in Deutschland. Der Hersteller übernimmt alle Kosten und Risiken bis zur Lieferung der Fernseher ins Lager des Händlers in Berlin, einschließlich der Zahlung aller Zölle und Steuern.
Regeln nur für den See- und Binnenschifftransport:
FAS (Free Alongside Ship)
Der Verkäufer liefert die Ware längsseits des Schiffes im Verschiffungshafen. Ab diesem Punkt trägt der Käufer alle Kosten und Risiken.
Beispiel: Ein kanadischer Holzlieferant verkauft Holz an einen Kunden in Spanien. Das Holz wird am Hafen von Vancouver längsseits des Schiffs bereitgestellt. Der spanische Käufer übernimmt ab diesem Punkt die Kosten und Risiken des Transports.
FOB (Free On Board)
Der Verkäufer lädt die Ware auf das vom Käufer benannte Schiff im Verschiffungshafen. Das Risiko geht auf den Käufer über, sobald die Ware an Bord des Schiffes ist.
Beispiel: Ein brasilianischer Kaffeelieferant verkauft eine große Menge Kaffee an einen Händler in den USA. Der Kaffee wird im Hafen von Santos auf das Schiff geladen, das der US-Händler benannt hat. Ab diesem Zeitpunkt übernimmt der Händler alle Risiken und Kosten.
CFR (Cost and Freight)
Der Verkäufer trägt die Kosten und Fracht bis zum Bestimmungshafen. Das Risiko geht jedoch auf den Käufer über, sobald die Ware an Bord des Schiffes ist.
Beispiel: Ein indischer Textilhersteller verkauft Stoffe an einen Käufer in Großbritannien. Der Hersteller bezahlt die Transportkosten bis zum Hafen von Liverpool. Das Risiko für die Ware geht jedoch bereits im Hafen von Mumbai auf den britischen Käufer über.
CIF (Cost, Insurance and Freight)
Wie CFR, jedoch mit der zusätzlichen Verpflichtung des Verkäufers, eine Transportversicherung abzuschließen. Dafür reicht eine Mindestdeckung nach den Institute Cargo Clauses (C), die nur bestimmte Risiken wie Feuer, Strandung oder Kollision abdeckt. Wenn du als Käufer mehr Schutz brauchst, musst du eine höhere Deckung ausdrücklich vereinbaren oder selbst zusätzlich versichern.
Beispiel: Ein japanischer Autohersteller verkauft Autos an einen Händler in Südafrika. Der Autohersteller bezahlt die Transport- und Versicherungskosten bis zum Hafen von Kapstadt. Das Risiko geht jedoch auf den Käufer über, sobald die Autos an Bord des Schiffes sind, aber der Verkäufer schließt eine Transportversicherung mit Mindestdeckung ab. Will der Käufer in Kapstadt umfassend abgesichert sein, muss er das gesondert vereinbaren.
Was hat sich mit den Incoterms 2020 geändert?
Gegenüber der Vorgängerversion von 2010 brachten die Incoterms 2020 einige wichtige Änderungen:
- DPU ersetzt DAT: Die frühere Klausel DAT (Delivered at Terminal) heißt jetzt DPU (Delivered at Place Unloaded). Die Ware kann damit an jedem beliebigen Ort entladen werden, nicht nur an einem Terminal.
- Höhere Versicherung bei CIP: Bei CIP muss der Verkäufer jetzt eine umfassende Versicherung nach den Institute Cargo Clauses (A) abschließen. Bei CIF bleibt es bei der Mindestdeckung nach Clauses (C).
- FCA mit Bordkonnossement: Bei FCA können Käufer und Verkäufer vereinbaren, dass der Frachtführer dem Verkäufer ein Konnossement mit An-Bord-Vermerk ausstellt. Das ist vor allem bei Zahlungen per Akkreditiv wichtig.
- Eigene Transportmittel: Bei FCA, DAP, DPU und DDP dürfen Käufer bzw. Verkäufer die Ware auch mit eigenen Fahrzeugen transportieren, ohne einen externen Frachtführer zu beauftragen.
- Sicherheitsanforderungen: Die Klauseln regeln jetzt ausdrücklich, wer die Kosten für sicherheitsbezogene Anforderungen beim Transport und bei der Zollabfertigung trägt.
- Übersichtliche Kostenaufteilung: Alle Kosten, die Verkäufer und Käufer jeweils tragen, sind gebündelt an einer Stelle aufgeführt. Das macht die Regeln leichter verständlich.
So gibst du Incoterms im Vertrag richtig an
Damit eine Incoterms-Klausel eindeutig ist, braucht sie immer drei Angaben:
- die Klausel, zum Beispiel FCA
- den genauen Ort, möglichst mit Adresse, zum Beispiel „Lagerstraße 5, 90411 Nürnberg“
- die Version, also „Incoterms® 2020“
Richtig: FCA Lagerstraße 5, 90411 Nürnberg, Deutschland, Incoterms® 2020
Unklar: FCA Nürnberg
Je genauer der Ort, desto klarer ist, wo Kosten und Risiko übergehen.
Wie werden Incoterms angewendet, und was regeln sie nicht?
Der internationale Handel ist ein kompliziertes Geflecht aus Vorschriften, Verantwortlichkeiten und Abkommen. Einer der Schlüssel, die diese Komplexität vereinfachen sollen, sind die Incoterms. Diese standardisierten Vertragsklauseln spielen eine entscheidende Rolle bei der Festlegung der Pflichten von Käufern und Verkäufern im globalen Handel. Sie bieten klare Richtlinien, die Missverständnisse reduzieren und den Handel effizienter gestalten.
Im Grunde legen Incoterms fest, wer sich um folgende Punkte kümmert:
- Warendokumente: Wer ist dafür verantwortlich, die benötigten Warendokumente zu besorgen? Wer übernimmt die Kosten für diese Dokumente?
- Transportdokumente: Wer muss die erforderlichen Transportdokumente beschaffen? Wer trägt die Kosten für die Erstellung dieser Dokumente?
- Versicherung: Wer ist dafür zuständig, die Ware während der verschiedenen Transportphasen zu versichern? Wer übernimmt die Versicherungskosten?
- Information: Wer ist dafür verantwortlich, die Handelspartner zu welchem Zeitpunkt mit welchen Informationen zu versorgen?
- Warenprüfung: Wer führt die Prüfung der Ware durch? Wer übernimmt die Kosten für diese Prüfung?
- Verpackung: Wie soll die Ware verpackt werden? Wer übernimmt die Kosten für den Verpackungsprozess und die Verpackungsmaterialien?
Folgendes wird NICHT von Incoterms explizit geregelt und sollte daher vertraglich immer separat definiert werden:
- Zahlungsbedingungen: Wer legt die Bedingungen für die Zahlung fest, und wo wird der Gerichtsstand bei rechtlichen Auseinandersetzungen bestimmt?
- Eigentumsübergang (Achtung - nicht gleichzusetzen mit Besitzübergang!): Wann geht das Eigentum an der Ware auf den Käufer über, und wie unterscheidet sich dies vom Zeitpunkt des Besitzübergangs?
- Verstöße gegen Incoterms: Was passiert, wenn eine Partei gegen ihre Verpflichtungen gemäß den Incoterms verstößt?
- Haftung: Welche Haftungsausschlüsse gelten für beide Parteien unter den Incoterms?
- Ersatzlieferung: Wer ist verantwortlich für Ersatzlieferungen, wenn die ursprüngliche Lieferung beschädigt oder verloren geht?
Incoterms sind ein unverzichtbares Werkzeug im internationalen Handel. Sie bieten eine klare und präzise Grundlage für die Abwicklung grenzüberschreitender Geschäfte und tragen zur Reduzierung von Risiken und Missverständnissen bei. Indem sie die Pflichten und Verantwortlichkeiten von Käufern und Verkäufern eindeutig festlegen, fördern sie einen reibungslosen und effizienten Handelsablauf.
Tipps: Auswahl der richtigen Incoterms, inkl. praktischen Beispielen
Hier sind einige Schlüsselaspekte und Vorteile, die du bei der Auswahl und Nutzung der Incoterms beachten solltest, um im internationalen Geschäft möglichst effizient zu agieren:
Analyse der Bedürfnisse:
- Art der Ware: Überlege, ob die Ware empfindlich, teuer oder leicht verderblich ist. Beispiel: Frische Lebensmittel benötigen schnelle und sichere Transportbedingungen.
- Transportweg: Bestimme, ob der Transport per Schiff, Flugzeug, Lkw oder Bahn erfolgt. Beispiel: Schweres Frachtgut wird oft per Schiff transportiert, während Eilwaren per Flugzeug versendet werden.
Kosten- und Risikoverteilung:
- Kostenaufteilung: Entscheide, welcher Partner welche Transport- und Versicherungskosten trägt. Beispiel: Der Verkäufer könnte die Kosten bis zum Hafen tragen, der Käufer übernimmt ab dort.
- Risikoübernahme: Kläre, ab welchem Punkt das Risiko vom Verkäufer auf den Käufer übergeht. Beispiel: Bei EXW (Ab Werk) trägt der Käufer ab dem Werk des Verkäufers alle Risiken.
Verantwortlichkeiten:
- Warendokumente: Festlegen, wer die erforderlichen Dokumente beschafft und bezahlt. Beispiel: Der Verkäufer stellt Exportdokumente bereit, der Käufer kümmert sich um Importpapiere.
- Transportdokumente: Kläre, welche Partei welche Transportdokumente besorgt und die Kosten trägt. Beispiel: Der Verkäufer besorgt den Frachtbrief, der Käufer kümmert sich um den Frachtvertrag.
- Versicherung: Entscheide, wer die Ware für welche Transportabschnitte versichert.
- Beispiel: Bei CIP versichert der Verkäufer die Ware mit umfassender Deckung bis zum Bestimmungsort, bei CIF nur mit Mindestdeckung. Bei allen anderen Klauseln besteht keine Versicherungspflicht. Hier solltest du selbst klären, wer welchen Transportabschnitt absichert.
Information und Kommunikation:
- Benachrichtigungen: Lege fest, wer wen worüber informiert. Der Verkäufer muss den Käufer rechtzeitig benachrichtigen, wenn die Ware geliefert wurde oder bereitsteht. Bei F-Klauseln wie FCA oder FOB muss der Käufer dem Verkäufer Frachtführer, Lieferort und Lieferzeitpunkt mitteilen.
- Dokumente: Kläre, wer welche Dokumente bereitstellt, zum Beispiel Handelsrechnung, Lieferbeleg, Transportdokument oder Ursprungszeugnis.
- Zoll- und Sicherheitsinformationen: Seit den Incoterms 2020 ist ausdrücklich geregelt, dass die Parteien sich gegenseitig bei den Informationen für Zoll und Sicherheitsprüfungen unterstützen. Die Klauseln legen auch fest, wer die Kosten dafür trägt.
- Beispiel: Ein Händler aus Nürnberg verkauft Ersatzteile FCA Nürnberg an einen Kunden in Kanada. Der kanadische Käufer muss dem Verkäufer rechtzeitig mitteilen, welcher Spediteur die Ware wann abholt. Der Verkäufer meldet die erfolgte Übergabe und liefert die Exportdokumente. Fehlt eine dieser Informationen, steht die Ware im Lager, und die Kosten für Verzögerungen sind schnell strittig.
Verpackung:
- Verpackungsanforderungen: Lege fest, wie die Ware verpackt wird. Beispiel: Empfindliche Elektronik muss stoßfest verpackt sein.
- Verpackungskosten: Bestimme, wer die Kosten für Verpackung und Verpackungsmaterial übernimmt. Beispiel: Der Verkäufer zahlt für die Verpackung, der Käufer für zusätzliche Schutzmaßnahmen.
Rechtliche Aspekte:
- Zahlungsbedingungen: Definiere die Zahlungsbedingungen und den Gerichtsstand für eventuelle Streitigkeiten. Beispiel: Zahlung erfolgt nach Lieferung, Gerichtsstand ist das Land des Verkäufers.
- Eigentumsübergang: Unterscheide zwischen Besitz- und Eigentumsübergang der Ware. Beispiel: Eigentum geht bei Zahlung über, Besitz bei Lieferung.
Incoterms im E-Commerce: DAP oder DDP?
Für Onlinehändler, die an Kunden außerhalb der EU verkaufen oder Ware aus Drittländern importieren, sind vor allem zwei Klauseln relevant: DAP und DDP.
- Bei DAP liefert der Verkäufer bis zur Haustür, Zoll und Einfuhrabgaben zahlt aber der Empfänger. Im B2C-Geschäft heißt das: Dein Kunde muss bei der Zustellung nachzahlen. Das führt häufig zu Annahmeverweigerungen und Retouren.
- Bei DDP übernimmt der Verkäufer auch Zoll, Einfuhrumsatzsteuer und Abfertigung. Für den Kunden ist das die bequemste Lösung, für dich bedeutet es mehr Aufwand und Kosten.
Seit dem 1. Juli 2026 ist diese Frage noch wichtiger geworden. Die bisherige Zollbefreiung für Sendungen mit einem Wert bis 150€ ist weggefallen. Stattdessen fällt bei Fernabsatz-Sendungen in die EU ein pauschaler Zoll von 3€ je angemeldeter Zolltarifposition an. Wer DDP verkauft, muss diese Kosten in seine Preise einrechnen. Wer DAP verkauft, gibt sie an seine Kunden weiter.
- Mehr zum Unterschied der beiden Klauseln findest du in unserem Artikel DDP vs. DAP.
Wozu gibt's Incoterms? Die Vorteile zusammengefasst
- Internationale Anerkennung: Incoterms sind weltweit anerkannt und sorgen für einheitliche Handelspraktiken.
- Standardisierung: Sie bieten klare und einheitliche Regeln, die Missverständnisse vermeiden.
- Effizienzsteigerung: Durch klare Aufgabenverteilung wird der Handelsprozess schneller und reibungsloser.
- Risikominimierung: Eindeutige Regelungen reduzieren das Risiko von Streitigkeiten.
- Kostentransparenz: Unternehmen können die Kosten besser planen und kontrollieren.
Indem du die passenden Incoterms für dein Business verwendest, stellst du sicher, dass deine internationalen Handelsgeschäfte reibungslos, sicher und kosteneffizient ablaufen!
Hast du Fragen dazu? Schreib uns jederzeit!
FAQs
Gibt es Incoterms 2026?
Nein. Die aktuell gültige Fassung sind die Incoterms 2020, die seit dem 1. Januar 2020 gelten. Sie werden auch 2026 und 2027 unverändert verwendet. Die Internationale Handelskammer (ICC) arbeitet bereits an den Incoterms 2030, deren Veröffentlichung für Ende 2029 geplant ist. Bis dahin bleiben die Incoterms 2020 der Standard. Welche Version für ein Geschäft gilt, legst du im Vertrag fest, zum Beispiel mit „DAP Wien, Incoterms 2020“.
Was ist der Unterschied zwischen CIP und CIF?
Bei beiden Klauseln zahlt der Verkäufer Fracht und Versicherung bis zum Bestimmungsort, die Gefahr geht aber schon bei der Übergabe an den Frachtführer auf den Käufer über. Der Unterschied liegt in zwei Punkten. CIP gilt für alle Transportarten, CIF nur für See- und Binnenschiffstransport. Außerdem muss der Verkäufer bei CIP eine umfassende Versicherung nach den Institute Cargo Clauses (A) abschließen. Bei CIF reicht eine Mindestdeckung nach Clauses (C).
Was ist aus DAT geworden?
Mit den Incoterms 2020 wurde DAT (Delivered at Terminal) durch DPU (Delivered at Place Unloaded) ersetzt. Inhaltlich ist DPU ähnlich: Der Verkäufer trägt Kosten und Risiko, bis die Ware am vereinbarten Ort entladen ist. Der Ort muss aber kein Terminal mehr sein, es kann zum Beispiel auch ein Lager oder ein Firmengelände sein. DPU ist die einzige Incoterms-Klausel, bei der der Verkäufer auch für das Entladen verantwortlich ist.
Welche Incoterms eignen sich für Onlinehändler?
Im internationalen Onlinehandel werden vor allem DAP und DDP genutzt. Bei DAP liefert der Verkäufer bis zum Kunden, Zoll und Einfuhrabgaben zahlt aber der Empfänger. Bei DDP übernimmt der Verkäufer alle Kosten einschließlich Zoll und Einfuhrumsatzsteuer, und der Kunde zahlt bei der Zustellung nichts nach. Für Endkunden ist DDP meist die bessere Erfahrung und senkt das Risiko von Annahmeverweigerungen. Seit dem 1. Juli 2026 fällt in der EU zudem auch bei Sendungen unter 150 Euro ein pauschaler Zoll von 3 Euro je Warenposition an.
Regeln Incoterms auch den Eigentumsübergang?
Nein. Incoterms regeln, wann Kosten und Risiko vom Verkäufer auf den Käufer übergehen und wer welche Aufgaben übernimmt. Wann das Eigentum an der Ware übergeht, regeln sie nicht. Das Gleiche gilt für Zahlungsbedingungen, den Gerichtsstand und die Haftung bei Vertragsverletzungen. Diese Punkte musst du separat im Kaufvertrag festlegen.
Quellen
- Quivo Webseite und Fulfillment Dienstleistungen
- ICC - iccgermany.de
- UK Gov - "Choose which incoterms are right for you"
- great.gov.uk
Bilder:
Unsplash, pixabay
Quivo © 2026


