Sicherheitsbestand berechnen: Die Formel einfach erklärt — inkl. nützlichen Tipps und Beispielen

Martin Jezy19 März 20259 min

Ein Produkt ist plötzlich ausverkauft – und du kannst nicht rechtzeitig nachliefern? Genau hier kommt der Sicherheitsbestand ins Spiel. Er sorgt dafür, dass du auch bei Lieferverzögerungen oder unerwarteten Nachfragespitzen lieferfähig bleibst.

Doch wie berechnest du ihn richtig? Welche Faktoren spielen eine Rolle? Und wie verhinderst du, dass du zu viel Kapital in Lagerbeständen bindest? In diesem Artikel erfährst du alles über die richtige Berechnung des Sicherheitsbestands – und wie er mit dem Meldebestand und Mindestbestand zusammenhängt. 

Zusätzlich findest du einen Vergleich sämtlicher Bestandsarten, einfach erklärt!

Definition: Was ist der Sicherheitsbestand?

  • Der Sicherheitsbestand ist der zusätzliche Lagerbestand, den du vorrätig hältst, um unerwartete Engpässe abzufangen. Er sorgt dafür, dass dein Online-Shop lieferfähig bleibt, selbst wenn es zu unerwarteten Nachfrageschwankungen oder Verzögerungen bei der Nachbestellung kommt.

    Dazu gibt es noch den sogenannten “eisernen Bestand”. Damit beschreibt man die Mindestmenge, die idealerweise unberührt bleibt und nur bei extremen Engpässen aufgebraucht wird.

Ohne Sicherheitsbestand riskierst du Umsatzverluste, unzufriedene Kundinnen und Kunden und ein schlechteres Ranking auf Marktplätzen wie Amazon. Ein zu hoher Bestand bindet jedoch Kapital und verursacht Lagerkosten. Deshalb ist seine optimale Berechnung wichtig! Wie das funktioniert, erfährst du im nächsten Abschnitt.

Formel: So berechnest du den Sicherheitsbestand

Damit dein Sicherheitsbestand genau auf dein Business zugeschnitten ist, solltest du ihn mit einer bewährten Formel berechnen. Die gängigste Berechnungsmethode lautet:

(Maximaler Verbrauch × Maximale Lieferzeit) (Durchschnittlicher Verbrauch × Durchschnittliche Lieferzeit) = Sicherheitsbestand

Hierbei stehen: 

  • Maximaler Verbrauch: Die höchste Anzahl an verkauften Einheiten pro Tag
  • Maximale Lieferzeit: Die längste Zeit, die dein Lieferant für eine Lieferung benötigt
  • Durchschnittlicher Verbrauch: Die durchschnittliche Anzahl an verkauften Einheiten pro Tag
  • Durchschnittliche Lieferzeit: Die übliche Lieferzeit deines Lieferanten
     

Beim Festlegen deines Sicherheitsbestands solltest du nicht einfach eine Zahl aus dem Bauch heraus wählen. Diese Faktoren spielen eine wichtige Rolle:

Lieferzeiten: Schwankende oder lange Lieferzeiten erfordern einen höheren Sicherheitsbestand.
Nachfrageschwankungen: Saisonale Peaks oder unvorhersehbare Nachfrageänderungen erhöhen das Risiko von Engpässen.
Produktart: Schnelldreher brauchen oft einen höheren Puffer als langsam verkaufende Produkte.
Lagerkosten: Ein zu hoher Sicherheitsbestand bindet Kapital und verursacht Lagerkosten.
Lieferantenverfügbarkeit: Je zuverlässiger dein Lieferant, desto niedriger kann dein Sicherheitsbestand sein.

Tipp: Der Sicherheitsbestand hängt eng mit dem Meldebestand zusammen. Was das genau ist und wie dessen Formel aussieht, findest du hier, mitsamt sämtlichen Tipps!
 

Praxisbeispiel zur Berechnung des Sicherheitsbestands

Angenommen:

  • Du verkaufst täglich im Durchschnitt 50 Einheiten eines Produkts,
  • deine Lieferzeit beträgt normalerweise 5 Tage.
  • In Spitzenzeiten verkaufst du jedoch bis zu 80 Einheiten pro Tag,
  • und es kam bereits vor, dass dein Lieferant bis zu 8 Tage für die Lieferung benötigte.
     

Dann berechnest du den Sicherheitsbestand so:

Sicherheitsbestand = (80 × 8) – (50 × 5) = 640 – 250 = 390 Einheiten

Das bedeutet, dass du 390 Einheiten als Puffer im Lager haben solltest, um Engpässe zu vermeiden!
 

  • Achtung: Nicht zu verwechseln mit dem Meldebestand! Dieser gibt dir vor, wann du nachbestellen solltest, nicht wie viel Sicherheitsbestand du brauchst.
    Die Definition, Formel und ein praktisches Beispiel zur Berechnung des Meldebestandes findest du hier.

Vergleich: Sicherheitsbestand, Mindestbestand und Meldebestand

Der Mindestbestand, der Sicherheitsbestand und der Meldebestand sind eng miteinander verbunden, erfüllen aber unterschiedliche Funktionen im Bestandsmanagement.

  • Der Mindestbestand ist die absolute Untergrenze, die dein Lager niemals unterschreiten sollte. Er dient als betriebliche Absicherung, um sicherzustellen, dass immer eine gewisse Menge auf Lager ist, selbst wenn es zu unerwarteten Verzögerungen kommt.
  • Der Sicherheitsbestand ist eine zusätzliche Reserve über den Mindestbestand hinaus. Er gleicht unerwartete Schwankungen aus, sei es durch plötzlich steigende Nachfrage oder verspätete Lieferungen. Während der Mindestbestand eine Art betrieblicher Basiswert ist, dient der Sicherheitsbestand als flexibler Puffer, der situativ genutzt wird.
  • Der Meldebestand wiederum gibt den Punkt an, an dem du eine Nachbestellung auslösen musst, damit die neue Ware rechtzeitig eintrifft. Er wird berechnet, indem man den täglichen Verbrauch mit der Lieferzeit multipliziert und den Sicherheitsbestand hinzurechnet.

Zusammengefasst: Der Mindestbestand ist die letzte Grenze, die nicht unterschritten werden sollte, der Sicherheitsbestand ist ein Puffer für unvorhergesehene Engpässe, und der Meldebestand ist das Signal, wann du nachbestellen musst, damit du den Sicherheitsbestand nicht angreifen musst.

Alle wichtigen Bestandsarten im Überblick: Definition, Formeln und Beispiele

Bestandmanagement leicht gemacht! Vergleiche die verschiedenen Lagerbestände und Kategorien:

1. Mindestbestand (Untergrenze des Lagers)

Der Mindestbestand ist die niedrigste Menge, die immer im Lager vorhanden sein muss, um betriebsfähig zu bleiben. Wird dieser unterschritten, drohen Engpässe.

  • Formel: Mindestbestand = Durchschnittlicher Verbrauch pro Tag × Anzahl der Tage für eine Notfallbeschaffung
  • Beispiel: Wenn du täglich 20 Einheiten verkaufst und eine Notfalllieferung 5 Tage dauert, liegt dein Mindestbestand bei 100 Einheiten.

2. Sicherheitsbestand (Schutz vor Schwankungen)

Der Sicherheitsbestand ist ein zusätzlicher Puffer, der Lieferverzögerungen oder unerwartete Nachfragespitzen abfängt.

  • Formel: Sicherheitsbestand = (Maximaler Verbrauch × Maximale Lieferzeit) – (Durchschnittlicher Verbrauch × Durchschnittliche Lieferzeit)
  • Beispiel: Dein maximaler Tagesverbrauch beträgt 50 Einheiten, die längste Lieferzeit war 10 Tage, dein Durchschnittsverbrauch liegt bei 30 Einheiten und die normale Lieferzeit bei 5 Tagen: Sicherheitsbestand = (50 × 10) – (30 × 5) = 500 – 150 = 350 Einheiten

3. Meldebestand (Signal für Nachbestellung)

Der Meldebestand gibt den Punkt an, an dem eine Nachbestellung ausgelöst werden muss, damit die neue Ware rechtzeitig ankommt.

  • Formel: Meldebestand = (Täglicher Verbrauch × Lieferzeit) + Sicherheitsbestand
  • Beispiel: Du verbrauchst täglich 40 Einheiten, die Lieferzeit beträgt 6 Tage, dein Sicherheitsbestand liegt bei 100 Einheiten:
    Meldebestand = (40 × 6) + 100 = 240 + 100 = 340 Einheiten. Sobald dein Lagerbestand auf 340 Einheiten fällt, musst du also nachbestellen.

4. Eiserner Bestand (Notreserve, nur für Notfälle)

Der eiserne Bestand ist ein Notfallpuffer, der nur im äußersten Fall genutzt wird, wenn alle anderen Bestände aufgebraucht sind.

  • Formel: Wird individuell festgelegt (z. B. 10–20 % des Mindestbestands).
  • Beispiel: Falls dein Mindestbestand 100 Einheiten beträgt, könnte dein eiserner Bestand bei 20 Einheiten liegen, die nur im absoluten Notfall genutzt werden.

5. Höchstbestand (Maximal erlaubte Lagermenge)

Der Höchstbestand ist die maximale Lagermenge, die nicht überschritten werden sollte, um Lagerkosten und Überbestände zu vermeiden.

  • Formel: Höchstbestand = Meldebestand + Bestellmenge
  • Beispiel: Wenn dein Meldebestand 340 Einheiten beträgt und du immer 500 Einheiten bestellst, liegt dein Höchstbestand bei 840 Einheiten.

6. Nettobestand (Tatsächlich vorhandene Ware)

Der Nettobestand ist die physisch im Lager befindliche Ware, ohne bereits reservierte Bestände.

  • Formel: Nettobestand = Bruttobestand – Reservierter Bestand
  • Beispiel: Wenn dein Bruttobestand 1.000 Einheiten beträgt, aber 300 davon bereits für Kundenbestellungen reserviert sind, liegt dein Nettobestand bei 700 Einheiten.

7. Bruttobestand (Gesamte Lagerware)

Der Bruttobestand umfasst die gesamte physisch vorhandene Ware, unabhängig davon, ob sie bereits für Kunden reserviert ist oder nicht.

  • Beispiel: Alle Artikel, die sich aktuell in deinem Lager befinden, inklusive reservierter Waren.

8. Verfügbarer Bestand (Verkaufbare Menge)

Der verfügbare Bestand ist die Menge, die tatsächlich noch verkauft oder verwendet werden kann.

  • Formel: Verfügbarer Bestand = Nettobestand – bereits eingeplante Nachbestellungen
  • Beispiel: Wenn dein Nettobestand 700 Einheiten beträgt, aber 200 davon für offene Kundenaufträge reserviert sind, hast du noch 500 Einheiten verfügbar.

9. Durchschnittsbestand (Durchschnittliche Lagerreichweite über einen Zeitraum)

Der Durchschnittsbestand hilft, den optimalen Lagerbestand zu ermitteln und Lagerkosten zu optimieren.

  • Formel: Durchschnittsbestand = (Anfangsbestand + Endbestand) / 2
  • Beispiel: Wenn dein Anfangsbestand 1.000 und dein Endbestand 600 Einheiten beträgt: Durchschnittsbestand = (1.000 + 600) / 2 = 800 Einheiten

10. Umschlagbestand (Wie oft sich dein Lager dreht)

Der Umschlagbestand zeigt, wie oft dein Lagerbestand innerhalb eines bestimmten Zeitraums verkauft und erneuert wird.

  • Formel: Umschlagbestand = Jahresverbrauch / Durchschnittsbestand
  • Beispiel: Wenn du im Jahr 8.000 Einheiten verkaufst und dein Durchschnittsbestand bei 800 liegt: Umschlagbestand = 8.000 / 800 = 10. 
    Dein Lagerbestand dreht sich also 10-mal pro Jahr.
     

Die besten Tipps für einen optimalen Sicherheitsbestand, Meldebestand und Mindestbestand

Daten regelmäßig analysieren

Ein falscher Sicherheitsbestand entsteht oft durch ungenaue Annahmen. Deshalb solltest du regelmäßig deine Verkaufszahlen und Lieferzeiten überprüfen, um Änderungen frühzeitig zu erkennen.

  • Analysiere die durchschnittlichen Verkäufe pro Tag und berücksichtige Nachfrageschwankungen.
  • Vergleiche tatsächliche Lieferzeiten mit den geplanten, um Verzögerungen zu identifizieren.
  • Nutze historische Daten, um Muster zu erkennen, beispielsweise, ob deine Lieferanten zu bestimmten Zeiten unzuverlässiger sind!
  • Falls dein Produkt auf mehreren Kanälen verkauft wird (z. B. eigener Online-Shop, Amazon, Marktplätze), berücksichtige die unterschiedlichen Verkaufsdynamiken.

Je aktueller deine Daten, desto präziser kannst du deinen Sicherheitsbestand anpassen und Engpässe vermeiden!

Saisonale Anpassungen vornehmen

Der Sicherheitsbestand sollte sich dynamisch anpassen – besonders in Zeiten mit starken Nachfrageschwankungen.

  • Erhöhe den Sicherheitsbestand vor saisonalen Peaks wie Weihnachten, Black Friday oder Sommerverkäufen!
  • Reduziere den Bestand nach der Hochsaison, um Lagerkosten zu minimieren.
  • Berücksichtige Marketing-Aktionen oder Influencer-Kampagnen, die kurzfristig zu höherer Nachfrage führen können.

Falls du Produkte verkaufst, die stark von Trends beeinflusst sind, solltest du regelmäßig die Marktentwicklung beobachten und den Sicherheitsbestand darauf abstimmen.

Automatisierte Bestandswarnungen nutzen

Manuelles Bestandsmanagement ist fehleranfällig und zeitaufwendig. Moderne Systeme helfen dir, deinen Sicherheitsbestand effizient zu verwalten.

  • Setze ERP-Systeme wie Xentral, Billbee oder JTL ein, um Bestandswarnungen automatisiert zu erhalten.
  • Nutze E-Commerce-Tools für Shopify, WooCommerce oder Amazon Seller Central, um kritische Lagerbestände frühzeitig zu erkennen.
  • Implementiere automatische Bestellpunkte, damit Nachbestellungen sofort ausgelöst werden, wenn dein Lagerbestand den Meldebestand erreicht.

Eine Automatisierung spart Zeit, minimiert Fehler und sorgt dafür, dass dein Sicherheitsbestand optimal bleibt.

Lieferanten optimieren

Dein Sicherheitsbestand hängt stark von der Zuverlässigkeit deiner Lieferanten ab. Falls Lieferzeiten stark schwanken, musst du einen höheren Puffer einplanen.

  • Arbeite mit mehreren Lieferanten, um das Risiko von Ausfällen zu reduzieren.
  • Wähle Lieferanten mit kurzen und stabilen Lieferzeiten, um den Sicherheitsbestand niedrig zu halten.
  • Verhandle mit Lieferanten über schnellere Lieferoptionen oder lagere bestimmte Produkte direkt in deren Logistikzentrum.
  • Falls du mit internationalen Lieferanten arbeitest, prüfe alternative Beschaffungsquellen, um Risiken durch lange Transportwege oder Zollverzögerungen zu minimieren.

Je zuverlässiger deine Lieferanten, desto niedriger kann dein Sicherheitsbestand ausfallen, ohne dass du Engpässe riskierst.

Kapitalbindung und Lagerkosten im Blick behalten

Ein hoher Sicherheitsbestand mag zwar das Risiko von Lieferengpässen senken, kann aber auch erhebliche Kosten verursachen.

  • Je größer der Bestand, desto mehr Kapital wird gebunden – Geld, das du für andere Investitionen nutzen könntest.
  • Hohe Lagerbestände erhöhen die Lagerkosten, insbesondere wenn du für Lagerfläche zahlst oder verderbliche Produkte verwaltest.
  • Prüfe regelmäßig, ob der Sicherheitsbestand noch wirtschaftlich ist oder ob du ihn optimieren kannst.

Falls du Produkte mit kurzen Lebenszyklen oder Verfallsdaten hast, solltest du besonders vorsichtig sein, um keine unnötigen Abschreibungen zu riskieren.

Mindestbestand richtig definieren

Der Mindestbestand ist die absolute Untergrenze, die dein Lagerbestand nicht unterschreiten sollte, um betriebsfähig zu bleiben. Er bildet die Basis für deinen Sicherheitsbestand.

  • Der Mindestbestand sollte so festgelegt werden, dass er den Bedarf für einen gewissen Zeitraum deckt, selbst wenn unerwartete Engpässe auftreten.
  • Eine typische Faustregel, bzw Formel ist: 
     
    • Mindestbestand = Durchschnittlicher Verbrauch pro Tag × Anzahl der Tage, die für eine Notfallbeschaffung benötigt werden.
       
  • Falls dein Lieferant unzuverlässig ist oder du lange Lieferzeiten hast, sollte der Mindestbestand höher angesetzt werden.
  • Der Sicherheitsbestand wird dann auf diesen Mindestbestand aufgeschlagen, um zusätzliche Schwankungen abzudecken.

Ein klar definierter Mindestbestand hilft dir, den Sicherheitsbestand effizienter zu berechnen und unnötige Überbestände zu vermeiden!

Quellen

Bilder:

Canva, pixabay, Quivo © 2025